Barrierefreier Umbau: Sehbehinderungen

Den ca. 300.000 Blinden, die durch den barrierefreien Umbau an taktilen Leitsystemen Orientierung finden, stehen in Deutschland etwa 4 Millionen Sehbehinderte und besonders ältere Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen gegenüber. Diese Menschen sind typischerweise zwingend auf den ÖPNV angewiesen, benötigen aber durch hohe Blendempfindlichkeit und eingeschränktes Kontrastsehen in der Dunkelheit zwingend zusätzliche optische Hilfen.

Die teilweise unterschiedlichen Anforderungen und Auslegungen der Leitfäden und Normen und deren oft kontrastarme und „stadtbildschonende“ Umsetzung hinterlassen jedoch „Dunkelbarrieren“ und Gefahrenquellen. Die nachfolgenden Bildbeispiele schildern in Kurzform die häufigsten Beeinträchtigungen und deren Auswirkungen. Eine gründlichere Übersicht bietet das Merkblatt „Augenerkrankungen“.

Blendfrei leuchtende Bodenmarkierungen können helfen, diese Problemsituationen zu entschärfen. Zielsetzung ist im ÖPNV die in der DIN kaum berücksichtigte Auffindbarkeit von Haltestellen, eine verbesserte Orientierung im Umfeld und die Warnung vor gefährlichen Stolperkanten, vor allem bei Fehlen der taktilen Längsrippen oder bei einer kontrastarmen Ausstattung.

Grauer Star

  • Visusverschlechterung/Unschärfe: Licht kann die getrübte Linse nicht mehr ungehindert durchdringen.
  • Blendung/Halobildung um Gegenlichtquellen: durch Linsentrübung erhöhte Blendempfindlichkeit
  • Kontrastarmut: durch Linsentrübung Streulichtbildung mit „Grauschleier-Überstrahlung“ dunkler Bildbereiche
  • Verlust Farbsehen: Farb- und vor allem Farbkontrastverlust durch verschiedene optische Effekte
  • Haltestelle bei Nacht im GegenlichtHaltestelle im Gegenlicht, normalsichtig
  • Dieselbe Haltestelle unscharf und mit Lichthöfen um die LichtquellenHaltestelle bei Sehkraftverlust 25% durch grauen Star
  • Dieselbe unscharfe Ansicht mit einer Reihe heller Lichtpunkte entlang der BordkanteSehkraftverlust 25% durch grauen Star mit Kantenmarkierung

Retinitis Pigmentosa

  • Gesichtsfeldverengung („Tunnelblick“): Orientierungsschwierigkeiten im Raum, besonders auf kontrastarmen Flächen
  • Verschlechtertes Dämmerungssehen/Nachtblindheit: Schwierigkeiten beim Erkennen nächtlicher Bodenstrukturen
  • Verschlechtertes Farb- und Kontrastsehen: zusätzlicher Verlust von Strukturerkennung und Orientierungsmöglichkeiten
  • Blendempfindlichkeit: durch physiologische Funktionsstörungen und die häufige Kombination mit grauem Star
  • Drei runde Ausschnitte einer dunklen Bodenfläche, im mittleren eine helle Linie aus Lichtpunkten
„Tunnelblicke“ auf durchgehendes Foto ZOB-Bodenfläche (Vergleich: Titelbild „Fotopool-CD“): Kanten-/Wegemarkierung als Orientierungshilfe

Eingeschränktes Farb- und Kontrastsehen

Über die physiologischen Einschränkungen auch von Normalsichtigen hinaus kann das Farbensehen durch verschiedene andere Augenkrankheiten stark eingeschränkt oder nicht vorhanden sein. Die Wahrnehmung von Kontrastwerten sinkt dadurch erheblich, so dass eine Erkennbarkeit von Bodenstrukturen in Dämmerung und Dunkelheit praktisch unmöglich werden kann.

Eine durchgehende und durch alle Beleuchtungsbereiche gleich bleibende Kanten- und Wegemarkierung erscheint daher auch für normalsichtige Teilnehmer im ÖPNV sinnvoll.

  • Haltestelle mit Leitstreifen bei Nacht in gedeckten FarbenFarblich kontrastarme Haltestelle, normalsichtig
  • Dieselbe Haltestelle fast ohne Farbe und KontrastHaltestelle bei 50%igem Farbverlust und Visus -15%
  • Dieselbe kontrastarme Ansicht mit einer Reihe heller Lichtpunkte entlang der KanteGleicher Sehkraftverlust mit Kantenmarkierung Lightstone